Mathematisches Berlin

Das Mathematische Berlin von Iris Grötschel, Berlin Story Verlag 2008LESEPROBEN
Sie finden hier das Inhaltsverzeichnis sowie eine kleine Auswahl von Texten aus mehreren Kapiteln meines Buches.

Iris Grötschel
DAS MATHEMATISCHE BERLIN
Historische Spuren und aktuelle Szene
April 2008, Berlin Story Verlag
(256 Seiten, 190 Abbildungen)
ISBN 978-3-929829-92-1

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MATHEMATISCHER BLICK AUF BERLIN

«Mathematisches Leben im wissenschaftlichen Sinn begann in Berlin im Jahre 1700, als der erste bedeutende deutsche Mathematiker, Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), die Gründung einer Akademie der Wissenschaften bewirkte und ihre Leitung übernahm. Zu dieser Akademie gesellten sich im Laufe der Zeit zahlreiche weitere mathematisch relevante wissenschaftliche Einrichtungen. Viele bedeutende Personen haben in den letzten 300 Jahren unter sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen das mathematische Leben der Stadt geprägt. Heute gehört Berlin zur Weltspitze in der Mathematik. Mit den mathematischen Instituten dreier bedeutender Universitäten, zwei außeruniversitären mathematischen Forschungsinstituten, dem DFG-Forschungszentrum „Matheon“ sowie der Graduiertenschule „Berlin Mathematical School“ strahlt die Hauptstadt weit über die Landesgrenzen hinaus. Dieses Buch begibt sich auf die Suche nach historischen Spuren von Ereignissen, Orten und Menschen, spannt den Bogen bis zur heutigen Berliner Mathematik und schließt insbesondere auch mathematische Sehenswürdigkeiten mit ein.»

DIE GESCHICHTE DER MATHEMATIK IN BERLIN

  • Die Anfänge mit Leibniz und der Berliner Sozietät
    «Der von der Königlichen Akademie der Wissenschaften ausgesetzte Preis des Jahres 1763 wurde Moses Mendelssohn zuerkannt für seine Abhandlung über die „Evidenz in Metaphysischen Wissenschaften“. In dieser Schrift stellte er einen Vergleich an zwischen den ewig gültigen, allgemein überzeugenden mathematischen Wahrheiten und den sich häufig schnell überlebenden metaphysischen Erkenntnissen. Moses Mendelssohn, der schon in seiner frühen Jugendzeit in Dessau von der Mathematik begeistert war, beschäftigte sich bis an sein Lebensende gerne mit diesem Fach. In einem seiner Werke beschrieb er eindringlich den mathematischen Erkenntnisprozess, der – auch heute noch – mit mühsamen kleinen Schritten beginnt, bis er endlich zum Höhepunkt führt: „Der Mathematiker schwimmt in Wolllust.“»
  • Erste Blüte unter Friedrich dem Großen
  • Die Anfänge der Mathematik an der Berliner Universität
    «Das änderte sich erst, als Alexander von Humboldt 1827 endgültig nach Berlin zurückkehrte. Der Naturforscher und Weltreisende machte mit seinen „Kosmos-Vorlesungen“ in der Universität und – für ein breiteres Publikum – in der Singakademie die exakten Naturwissenschaften populär. „Berlin muss mit der Zeit … die erste Schule für transzendente Mathematik besitzen“, so lautete ein wesentliches Ziel seines wissenschaftsorganisatorischen Programms. Seine Anerkennung am königlichen Hof nutzte er, um junge mathematische Talente nach Berlin zu holen.»
  • Das goldene Zeitalter der Mathematik
  • Die mathematische Interimszeit
  • Mathematischer Neustart nach dem Ersten Weltkrieg
    «Ein Berliner der 1920er Jahre, der selbst kein Mathematiker war, sich aber um die Mathematik sehr verdient machte, war der Verleger Ferdinand Springer. Er erkannte die wachsende Bedeutung der Mathematik für alle Fachgebiete und gründete die „Gelbe Reihe“, eine noch heute bestehende Serie mathematischer Fachbücher höchster Qualität. Auch die 1931 gegründete Referate-Zeitschrift Zentralblatt für Mathematik des Springer-Verlags existiert weiterhin.»
  • Mathematik im Nationalsozialismus
  • Mathematik an Fachakademien und an der Technischen Hochschule
  • Mathematik in der geteilten Stadt
  • Mathematik im wiedervereinigten Berlin

MATHEMATISCHE ORTE

  • Akademie der Wissenschaften
  • Bergakademie
  • Bauakademie
  • Gewerbeakademie/Kriegsakademie
  • Humboldt Universität
  • Technische Universität
  • Freie Universität

MATHEMATIKER IN BERLIN - BIOGRAFIEN

  • Gottfried Wilhelm Reichsfreiherr von Leibniz (1646-1716)
  • Pierre-Louis Moreau de Maupertuis (1698-1759)
  • Leonhard Euler (1707-1783)
    «Euler hatte vielfältige Aufgaben für die Akademie zu erledigen: Er überwachte das Observatorium und den Botanischen Garten, er half bei der Entwässerung und Eindeichung des Oderbruchs, er entwarf Pläne für den Wiederaufbau des Finow-Kanals, er stellte Berechnungen für die Wasserkünste in Sanssouci an (die trotz korrekter Formeln an der technischen Ausführung scheiterten), er brachte verschiedenartige Kalender und geographische Karten heraus, er machte finanzielle Berechnungen für die staatlichen Lotterien, Versicherungen und Pensionskassen, er kümmerte sich um die Bibliothek und die Publikationen der Akademie.»
  • Johann Heinrich Lambert (1728-1777)
  • Joseph Louis Lagrange (1736-1813)
  • Carl Friedrich Gauß (1777-1855)
  • August Leopold Crelle (1780-1855)
    «Die an Technikgeschichte interessierten Berliner kennen Crelle, weil die erste preußische Eisenbahnlinie von Berlin nach Potsdam 1838 nach seinem Entwurf konstruiert worden ist. Crelles mathematische Arbeiten dagegen sind heute völlig vergessen. Dass sein Name trotzdem vielen Mathematikern in der ganzen Welt geläufig ist, liegt an dem von ihm 1826 gegründeten „Journal für die reine und angewandte Mathematik“, das überall kurz „Crelles Journal“ genannt wird.»
  • Jakob Steiner (1796-1863)
  • Niels Henrik Abel (1802-1829)
  • Carl Gustav Jacob Jacobi (1804-1851)
  • Johann Peter Gustav Lejeune Dirichlet (1805-1859)
  • Ernst Eduard Kummer (1810-1893)
  • Karl Theodor Wilhelm Weierstraß (1815-1897)
    «Im Jahr 1856 wurde Weierstraß zunächst Professor an der Gewerbeakademie, dann zusätzlich außerordentlicher Professor an der Universität und schließlich Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Mit seiner Berufung begann eine neue Epoche für das mathematische Leben in Berlin.»
  • Karl Wilhelm Borchardt (1817-1880)
  • Ferdinand Gotthold Max Eisenstein (1823-1852)
  • Leopold Kronecker (1823-1891)
  • Paul du Bois-Reymond (1831-1889)
  • Immanuel Lazarus Fuchs ((1833-1902)
  • Hermann Amandus Schwarz ((1843-1921)
  • Georg Cantor (1845-1918)
  • Ferdinand Georg Frobenius (1849-1917)
  • Sofja Kovalevskaja (1850-1891)
    «Trotz sehr guter Empfehlungsschreiben prüfte Weierstraß sie zunächst. Er war von ihren Fähigkeiten dann aber so begeistert, dass er sie bis zum Sommer 1874 unentgeltlich privat unterrichtete, da die preußische Universität Frauen – anders als im liberalen Baden – nicht einmal als Gasthörerinnen zuließ. Einmal in der Woche kam ihr Lehrer zu ihr in ihre kleine Wohnung, am Sonntag besuchte sie ihn. »
  • Kurt Hensel (1861-1941)
  • Adolf Kneser (1862-1930)
  • Constantin Carathéodory (1873-1950)
  • Issai Schur (1875-1941)
  • Erhardt Schmidt (1876-1959)
  • Edmund Landau (1877-1938)
  • Georg Karl Wilhelm Hamel (1877-1954)
  • Richard Edler von Mises (1883-1953)
    «Schon kurze Zeit später wechselte er an die Universität Berlin, wo er 1920 ordentlicher Professor und gleichzeitig Direktor des neu geschaffenen Instituts für Angewandte Mathematik wurde. Er entwickelte einen speziellen Lehrplan für angewandte Mathematik, der sich über sechs Semester erstreckte und Anwendungen in der Astronomie, der Geodäsie und der Technik einbezog. Dank seines Organisationstalents und seiner technologischen Kompetenz errang das Institut schnell einen hervorragenden Ruf. 1921 gründete er die „Zeitschrift für Angewandte Mathematik und Mechanik“, die noch heute von Bedeutung ist, und wurde ihr Herausgeber.»
  • Ludwig Bieberbach (1886-1982)
  • Robert Erich Remak (1888-1942)
  • Hilda Geiringer (1893-1973)
  • Wolfgang Haack (1902-1994)
  • Johann von Neumann (1903-1957)
  • Alexander Dinghas (1908-1974)
  • Ernst Mohr (1910-1989)
    «Genau an dem Tag, an dem die halbjährige Aufschubfrist für Mohrs Hinrichtung ablief, wurde das Gefängnis Plötzensee von der Roten Armee befreit. Die Mathematik rettete ihm also das Leben.»
  • Wolfgang Döblin (1915-1940)

MATHEMATISCHE VEREINIGUNGEN IN BERLIN

  • Mathematischer Verein an der Universität Berlin
  • Berliner Mathematische Gesellschaft
    «Der unmittelbare Anstoß für die Gründung der BMG im Jahr 1901 ging von Adolf Kneser (Professor an der Bergakademie) und Eugen Jahnke (Privatdozent an der TH Berlin) aus, zwei aktiven Mitgliedern des Alte-Herren-Verbandes des Mathematischen Vereins. Die beiden Herren unternahmen gerne gemeinsame Ausflüge an einen der Grunewald-Seen und überlegten dabei, wie das mathematische Leben in Berlin noch aufregender gestaltet werden könnte.»
  • Deutsche Mathematiker-Vereinigung
  • Förderverein MNU Landesverband Berlin
  • International Mathematical Union

PREISE UND EHRUNGEN

  • Der Nobelpreis und die Mathematik
  • Fields-Medaille
  • Nevanlinna-Preis
  • Carl-Friedrich-Gauß-Preis
  • Abelpreis
    «Die Preisverleihung findet jährlich im Mai in der Aula des Universitätsgebäudes in Oslo in Anwesenheit eines Mitglieds des Königshauses statt. Mit dabei ist stets auch eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Berlin. Denn die Königlich Norwegische Botschaft in Berlin stiftet seit 2003 als „kleinen“ Abelpreis für die Gewinner des Wettbewerbs „Tag der Mathematik“ in den Jahrgangsstufen 11 bis 13 eine Reise nach Oslo.»
  • Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis
  • Sofja-Kovalevskaja-Preis
  • Diverse mathematische Preise
  • Orden pour le Mérite

BERLINER MATHEMATIK HEUTE

  • Mathematische Institute der drei Universitäten
  • Weierstraß-Institut (WIAS)
  • Zuse-Institut (ZIB)
  • Matheon
  • Berlin Mathematical School
  • Mathematische Förderprogramme
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
  • Außergewöhnliche Mathematik-Vorlesungen
  • Mathematikprogramme für junge Menschen
  • Mathematisches Internetportal
    «Deutschlands erfolgreichste Mathematik-Internetseite www.mathematik.de wurde im Jahr 2000 unter der Schirmherrschaft der Deutschen Mathematiker-Vereinigung eingerichtet, um eine Vernetzung zwischen den Fachmathematikern und der an Mathematik interessierten Öffentlichkeit zu schaffen.»
  • Jahr der Mathematik

ORTE DER ERINNERUNG

  • Fries am Roten Rathaus
  • Inschrift am Reiterdenkmal für Friedrich den Großen
  • Gedenktafeln an Häusern
    «Die älteste Ehrung dieser Art gebührt Leonhard Euler. Die Gedenktafel für ihn wurde 1907 anlässlich seines 200. Geburtstages von der Stadt Berlin am Haus Behrenstraße 21/22 in Mitte angebracht, in dem heute die Bayerische Landesvertretung ihren Sitz hat.»
  • Straßennamen
  • Grabstätten
  • Gedenken in Gebäuden
  • Namenspatronate

MATHEMATISCHE EXPONATE IM ÖFFENTLICHEN RAUM

  • Allegorien am Zeughaus
  • Porträtreliefs am Postfuhramt
    «Besonders auffallend sind die ursprünglich 26, heute nur noch 25, Porträt-Medaillons zwischen den Rundbögen der Fenster im Erdgeschoss. Sie stellen Persönlichkeiten dar, die von der Antike bis zum 19. Jahrhundert als Erfinder, Wissenschaftler oder Politiker einen Beitrag zur Verbesserung der Nachrichtenübermittlung geleistet haben. Unter diesen verdienstvollen Männern sind auch zwei Mathematiker, nämlich Nikolaus Kopernikus und Carl Friedrich Gauß, der ab 1833 zusammen mit Wilhelm Eduard Weber den ersten elektromagnetischen Telegraphen betrieb.»
  • Mosaik am Haus des Lehrers
  • Metalltafeln am Haus der Statistik
  • Denkmal für Archimedes
  • Galileo-Skulptur
  • Die Mengenlehre-Uhr
  • Der Pi-Fries in Dahlem
  • Wissenschaftsfenster in Mitte
  • Kryptographie in Adlershof
  • Der Matheon-Buddy-Bär
  • Die „6“-en
  • Arc 124,5°

MATHEMATISCHE EXPONATE IN KUNSTSAMMLUNGEN

  • Kupferstichkabinett
  • Deutsches Historisches Museum
  • Alte Nationalgalerie
    «Im Treppenhaus der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel gibt es einen umlaufenden Skulpturenfries, der vom Bildhauer Otto Geyer (1843-1914) zwischen 1870 und 1875 gestaltet wurde. Chronologisch von den Anfängen bis zur damaligen Gegenwart werden die großen Kulturleistungen der Deutschen in sämtlichen Künsten, Wissenschaften und in der Politik veranschaulicht. Unter den namhaften deutschen Persönlichkeiten kommen auch fünf Mathematiker vor.»
  • Pergamonmuseum
  • Gemäldegalerie
  • Diverse Sammlungen
  • Sammlung der Akademie der Wissenschaften

MATHEMATISCHES FEUILLETON

  • Statistik aus Berlin
    «Der Berliner Theologe Johann Peter Süßmilch (1707-1767) entdeckte beim Studium von Kirchenregistern Regelmäßigkeiten bei der Entwicklung der Bevölkerung. Ihm fiel unter anderem auf, dass das Verhältnis von neugeborenen Jungen zu Mädchen stets 106 zu 100 betrug. Da er die Erscheinungen auf das Wirken Gottes zurückführte, nannte er seine erste und wohl auch bekannteste Veröffentlichung zu dem Thema: „Die Göttliche Ordnung in den Verhältnissen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen“. Sein 1741 erschienenes Werk gilt heute als erstes Statistik-Buch Deutschlands. Damals sprach man jedoch noch von „politischer Arithmetik“, der Begriff Statistik wurde erst später geläufig.»
  • Die Mathematik und die Märzrevolution
  • Frauen und die Mathematik
  • Mathematischer Einsatz für Berlin

MATHEMATISCHE KNOBELEIEN

  • Das Berlin-Sudoku
  • Das Berliner Logik-Rätsel
    «Zur Feier des Jahres der Mathematik 2008 treffen sich in Berlin die berühmtesten Mathematiker aller Zeiten und Regionen. Alle wohnen im Hotel „Hilbert“. Fünf Ehrengäste (Thales von Milet, Archimedes, Hypatia von Alexandria, Euler und Gauß) werden in die fünf Präsidenten-Suiten des Hotels einquartiert.
    Frage: Wer besichtigt das Brandenburger Tor?»
  • Das Berliner Brückenproblem